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Kants Opossum

Den wenigsten historisch und philosophisch gebildeten Personen ist bekannt, dass der berühmte Königsberger Philosoph Immanuel Kant ein zahmes Opossum besass, welches ihm der grosse Naturforscher Alexander von Humboldt von einer seiner Reisen aus Südamerika als Souvenir mitgebracht hatte. Dieses Opossum nun hielt Kant in einem kleinen Käfig gleich neben seinem Schreibpult, von wo aus er es immer sehen und mit ihm sprechen und während des Schreibens mit dem Zeigefinger der anderen Hand am Rücken kraulen konnte.
Es soll ihm auch gerade bei der Abfassung seiner grössten Werke, namentlich der Kritik der reinen Vernunft, sehr von Nutzen und eine Quelle stetiger geistiger Inspiration gewesen sein.
Aus seinen Tagebucheinträgen kann mit guten Gründen angenommen werden, dass Kant mit diesem Opossum sprach, ja, sich bisweilen mit ihm angeregt an langen Kaminabenden unterhielt, bisweilen fruchtbar mit ihm disputierte, und mit ihm in Form von philosophischen Selbstgesprächen manches geistige Problem löste. Manchmal sah man den späten Kant in seinem schweren Lehnstuhl am Fenster sitzen, in tiefes Sinnieren versunken, das Opossum auf seinem Schoss zusammengerollt schlafend, und so begleitete ihn das possierliche Tierchen über lange Jahre und überlebte ihn sogar um eine gewisse Zeit. Kants Opossum ist heute noch im Königsberger Stadtmuseum ausgestopft zu besichtigen. Ein Besuch dort lohnt sich also.
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